Der israelisch-palästinensische Konflikt hat im Index von Hindsite 1.853 Artikel angehäuft – ein Maß nicht der Lösung, sondern der Entropie. Der jüngste Eintrag, ein diese Woche datierter Überblick auf Wikipedia, wiederholt die vertraute Litanei: Besatzung seit 1967, Siedlungen, die der Internationale Gerichtshof für rechtswidrig erklärt hat, eine seit 2007 verschärfte Blockade des Gazastreifens 1. Auffällig ist nicht das Neue, sondern die Starrheit der internationalen Reaktion. Die Zweistaatenlösung auf der Grundlage der Grenzen von 1967, die laut Wikipedia breite internationale Unterstützung genießt 1, ist zur diplomatischen Beschwörungsformel geworden – auf Gipfeln wiederholt, in Resolutionen festgeschrieben und konsequent nicht umgesetzt.
“Die „Zweistaatenlösung“ ist zur diplomatischen Beschwörungsformel geworden – auf Gipfeln wiederholt, in Resolutionen festgeschrieben und konsequent nicht umgesetzt.”
Die von der Hamas angeführten Angriffe von 2023, bei denen laut Wikipedia nahezu 1.200 Menschen in Israel getötet wurden 1, lösten einen Krieg aus, der nach mehreren von Wikipedia angeführten Quellen „weitreichende Zerstörung, Verluste an Menschenleben, massenhafte Vertreibung der Bevölkerung, eine humanitäre Krise und eine Hungersnot“ in Gaza verursachte 1. Völkerrechtler, Genozidforscher und Menschenrechtsorganisationen haben Israels anschließendes Vorgehen in Gaza laut Wikipedia als Völkermord bezeichnet 1 – Vorwürfe, die, was immer von ihrer rechtlichen Stichhaltigkeit zu halten ist, eine tiefe Zäsur markieren in der Weise, wie Teile der Staatengemeinschaft das militärische Vorgehen Israels nun einordnen. Doch die Mechanismen der Rechenschaft bleiben untätig. Das Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Besatzung, das Wikipedia verzeichnet 1, reiht sich ein in einen Stapel von Gutachten und Vetos des Sicherheitsrats.
Israels Siedlungsunternehmen im Westjordanland, das Wikipedia als „ein System institutionalisierter Diskriminierung gegen Palästinenser“ beschreibt 1, geht ungeachtet der internationalen Verurteilung weiter. Die Blockade des Gazastreifens, die sich zwei Jahrzehnten nähert, liest sich als dauerhafte Belagerung. Was die Quellen zeigen, ist kein „Konflikt“ im Sinne zweier annähernd symmetrischer Parteien, die um Territorium streiten, sondern eine asymmetrische Besatzung, unterbrochen von Schüben der Gewalt – eine Seite mit Staatsmacht und militärischer Überlegenheit, die andere zersplittert zwischen einer geschwächten Autonomiebehörde und einer islamistischen Miliz.
Die Frage ist nicht mehr, ob die Welt weiß, was geschieht. Die Aktenlage ist umfangreich, die Fakten sind ausführlich dokumentiert. Die Frage ist, ob die nach 1945 errichtete internationale Architektur, die solche Lagen verhindern sollte, noch greift, wenn ein strategischer Verbündeter die Besatzungsmacht ist. Die Aufzählung abgelehnter Teilungspläne und Aufstände bis 1936 im Wikipedia-Eintrag 1 unterstreicht, wie lange dies schon schwelt. Acht Jahrzehnte sind keine Krise. Sie sind ein Zustand – und einer, den das internationale System strukturell nicht zu bewältigen vermocht hat.
